Zwei Tage im Zeichen des „umgedrehten“ Unterrichts

Baden (pts025/13.02.2020/14:25) – Inverted Classroom Management (ICM) bedeutet mehr, als den Co- und Autopiloten zu verlassen. Es wird zum fliegenden Klassenzimmer, denn nichts bleibt wie es war. Der Einsatz von Eyetracking-Brillen und Augmented Reality hilft dabei, den Blick zu erweitern und auch physikalische Gesetze einfacher zu erkennen. Die Digitalisierung fordert nicht nur mehr von den Lernenden, sondern auch von den Lehrenden. Doch wie können die Lehrenden bestmöglich darauf reagieren? ICM steht hierbei im Mittelpunkt und bietet neue Möglichkeiten.

Die Schlüsselkompetenzen erfordern neue Lehrmethoden, die Digitalisierung bringt neue Anforderungen mit sich. Johann Haag, Geschäftsführer der FH St. Pölten, ergänzte, dass nicht alleine das Fachwissen zählt, sondern das selbstbestimmte Lernen. Dies benötigt aber eine neue Didaktik. Sie muss in der Organisation neu verankert werden, technische Anforderungen müssen gegeben sein und eine neue Kultur dafür geschaffen werden. Die Fachtagung „Inverted Classroom and beyond“ an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich ermöglichte internationale Einblicke in die Methoden- und Lehrvielfalt und schaffte die Gelegenheit zum Austausch.

Flipped learning in Finnland

Keynote-Speakerin und Flipped-Learning Pionierin Marika Toivola aus Finnland hat selbst eine neue Lernkultur geschaffen, in der die Lerninhalte schülerzentriert erarbeitet werden. Hierfür hat die Mathematiklehrerin ihre Lehrmethoden geändert und die Schülerinnen und Schüler arbeiten selbstorganisiert in kleinen Gruppen. Sie erhalten individuelles Feedback, um ihre bestmöglichste Leistung erzielen zu können.

Workshops

Erprobte Lehrmethoden, didaktische Konzepte und Tools zur Umsetzung standen im Mittelpunkt der zweitägigen Workshops. Was am einfachsten ausgelagert werden kann, erfolgt im Sinne von Flipped Classroom. Beim Sprachenlernen ist es die Wortschatzerarbeitung, bei physikalischen Experimenten die Vorerklärung des Experimentes durch den Lehrenden. Dadurch ist es nach Workshopleiter Wolfgang Lutz möglich, die Erklärzeit von 25 Minuten auf fünf Minuten zu reduzieren. Hierbei helfen Lernvideos, deren einfache Erstellung in Microsoft Power Point PH-NÖ-Lehrende Mone Denninger erklärte. Auch Schülerinnen und Schüler können Lernvideos erstellen, welche sie individueller und offener arbeiten lässt. Plug-Ins in Lernplattformen ermöglichen Aufzeichnungen und Nachbearbeitungen von Lehrveranstaltungen, um nachhaltige Inhalte zu erzielen.

Zur Dokumentenverwaltung und Kooperation erklärte Stefan Oppl von der Donau-Uni Krems den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Struktur und wie sich der Workflow zusammensetzt, um Konflikte zu vermeiden.

Der Einsatz von Augmented Reality in Verbindung mit Blended Learning zeigt, dass die Theorieauslagerung nicht zu Beginn erfolgen muss und dennoch nach dem Flipped-Classroom-Prinzip gearbeitet werden kann. Die Schritte, wie man zum Inverted Classroom kommt, präsentierte Wolfgang Ortner von der FH Steyr und auch didaktische Muster wurden aufgezeigt.

Führt eine höhere Immersion zu besseren Lernerfolgen? Wie wird Augmented und Virtual Reality von den Schülerinnen und Schülern angenommen? Josef Buchner von der Uni Duisburg-Essen und Hagen Schwanke von der Uni Würzburg tauschten sich darüber mit den anderen Teilnehmenden aus.

Roboter wurden vorgestellt und diskutiert, inwieweit sie Lernende unterstützen, aber auch programmiert werden können. Spiele, mangelnde Lesebereitschaft, Internet im Klassenzimmer, Kreativität, Lerntypen und „21st Century Skills“ – diese Aussagen stehen bei Elke Höfler von der Uni Graz im Vordergrund und mit den Bildungspunks diskutierten Interessierte über die Wichtigkeit des Faktenwissens.

Zum Verstehen von Programmiersprachen, wie etwa javascript, wurde die Programmier-Platine microbit vorgestellt und mit Oliver Kastner-Hauler von der PH Niederösterreich praktisch gearbeitet. Christin Heinze von der Folkwang Universität der Künste in Deutschland zeigte ihr selbst entwickeltes Online-Buch zur Webseiten-Erstellung, um ihre Studierenden besser unterstützen zu können.

Ergebnisse

Die Teilnehmenden erhielten im Laufe der zwei Tage die Möglichkeit ihre Erkenntnisse zu verschriftlichen und sich mit anderen darüber auszutauschen. Zu einer vertiefenden Auseinandersetzung verhalf Christian F. Freisleben von der FH St. Pölten mit Angewandter Improvisation. „Gemeinsames Brainstormen, gemeinsames Reflektieren bringt neue Ideen und Herangehensweisen mit sich und führt zu einem besseren Verständnis“, erklärt Christian F. Freisleben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie waren auch dieser Meinung und notierten sich abschließend ihre Methodensammlung.

ICM-Konferenz

Die Konferenz „Inverted Classroom and beyond“ fand dieses Jahr bereits zum neunten Mal statt. Organisiert wurde sie in Zusammenarbeit von Karin Tengler und Gerhard Brandhofer von der PH Niederösterreich, Josef Buchner von der Uni Duisburg-Essen und Christian F. Freisleben von der FH St. Pölten. Sie ist inzwischen ein nicht wegzudenkender Impulsgeber für die Weiterentwicklung des Inverted Classroom Modells sowie von innovativer Hochschuldidaktik im deutschen Sprachraum und darüber hinaus. Im kommenden Jahr findet die „ICMbeyond“ am 23. und 24. Februar an der Fachhochschule St. Pölten statt.

Fotoalbum zur ICMbeyond20: https://photos.app.goo.gl/vVZK5BYu3Q6CgtnW7 Konferenz-Webseite: https://www.icmbeyond.net

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Aussender: Pädagogische Hochschule Niederösterreich Ansprechpartner: Walter Fikisz Tel.: +43 650 4721023 E-Mail: walter.fikisz@ph-noe.ac.at Website: www.ph-noe.ac.at